Inhalt:
1. Hast du alles parat? – Die ultimative Einkaufsliste für den Welpeneinzug
2. Der große Tag – Abholung deines Welpen
3. Alleine bleiben – Schritt für Schritt zur Selbstständigkeit
4. Stubenreinheit – So klappt’s stressfrei
5. Zahnwechsel – So unterstützt du deinen Welpen
6. Welpenschutz – Ein Mythos?
1. Hast du alles parat?
Die ultimative Einkaufsliste für den Welpeneinzug
Damit der Einzug deines neuen Familienmitglieds ganz entspannt abläuft, lohnt es sich, die Grundausstattung schon vor dem großen Tag bereitzulegen.
So kannst du dich voll und ganz auf deinen Welpen konzentrieren und vermeidest unnötigen Stress.
Damit dein Welpe sich von Anfang an wohlfühlt, solltest du folgende Dinge zu Hause haben:
- Futternapf und Wassernapf – rutschfest und leicht zu reinigen
- Antischlingnapf – vermeidet zu hastiges fressen
- Halsband und Brustgeschirr – gepolstert und verstellbar (Welpen wachsen schnell)
- Schleppleine für Rückruftraining und erste Freilaufübungen
- Verstellbare Führleine (ca. 2 m) für Spaziergänge
- Leckerlibeutel – mit Magnetverschluss äußerst praktisch, so fällt nichts heraus
- Kotbeutel – idealerweise mit Spender; Modelle mit Duft und Griffen sind sehr praktisch
- Schlafplatz – Decke, Körbchen und/oder Box als gemütlicher Rückzugsort
- Fellpflege-Utensilien wie Bürste, mildes Shampoo, Kamm oder Pflegehandschuh
- Allgemeines Pflegezubehör: Zeckenzange, Hundezahnbürste und Krallenschere
- Spielzeug-Mix – zum Zerren, Kuscheln und Kauen (muss für Welpen geeignet sein)
- Kauartikel wie Kauwurzel, befüllbarer Kong, Schleckmatte oder Rinderhaut
- Sicherheitsausstattung fürs Auto – Anschnallgurt, Trenngitter oder Transportbox
- Decke mit vertrautem Geruch aus dem alten Zuhause (hilft beim Eingewöhnen)
- Hundehalterhaftpflichtversicherung und optional OP- oder Krankenversicherung
- Eventuell: Sachkundenachweis (abhängig von Gewicht, Schulterhöhe oder Rasse)
Diese kleinen Dinge werden oft vergessen, machen das Leben mit einem Welpen aber deutlich einfacher:
- Welpenfutter (am besten die gleiche Sorte wie beim Züchter, um Magenprobleme zu vermeiden)
- Ohr- und Augenreinigungstücher
- Handtücher und alte Decken – perfekt an Regentagen und wenn der Welpe noch nicht stubenrein ist
- Hausapotheke für Hunde (ein Tierarzt steht sicherlich beratend zur Seite)
- Adressanhänger fürs Halsband oder Hundemarke von TASSO (Heimtierregister)
- GPS-Tracker – besonders praktisch in der Anfangszeit
- Adressliste mit Tierärzten und Tierkliniken in deiner Nähe – im Notfall schnell griffbereit
- Eine kleine Überwachungskamera, ideal um das Alleinbleiben schrittweise zu trainieren
- Frequenzeingestellte Pfeife – super gut für ein Rückruftraining
- In der Lautstärke verstellbarer Klicker
- Geruchsentferner/Geruchsneutralisier für Urinflecken
- Reisenapf oder Wasserspender für unterwegs
- Leuchthalsband und Wintermantel für den Herbst/Winter

2. Der große Tag – Abholung deines Welpen

3. Alleine bleiben – Schritt für Schritt zur Selbstständigkeit
Hunde leben im natürlichen Umfeld in Familienverbänden. Alleinsein ist für Welpen daher völlig untypisch – sie sind von Geburt an immer bei ihrer Mutter und den Wurfgeschwistern. Erst ab etwa zehn Wochen beginnen sie langsam, sich für kurze Momente allein zu beschäftigen.
In der Erziehung verlangen wir oft paradoxes Verhalten: Wir wollen, dass der Hund eine enge Bindung zu uns aufbaut, gerne kommt, wenn wir ihn rufen – und gleichzeitig soll er stundenlang ohne uns ruhig bleiben, wenn wir zur Arbeit fahren.
Alleinsein üben – so geht’s richtig
In den ersten 2–3 Wochen sollte dein Welpe nicht alleine gelassen werden. Er hat seine alte Familie und sein gewohntes Umfeld verlassen und muss sich erst einmal an dich und die neue Umgebung gewöhnen. Danach kann das Alleinsein kleinschrittig geübt werden, damit dein Welpe keinen Trennungsstress entwickelt.
- Plane regelmäßig Ruhephasen ein, in denen keine Interaktion stattfindet.
- Nutze ein Signal oder Ritual, das dem Hund sagt: „Jetzt ist Ruhezeit.“ Das kann eine kurze Melodie, ein bestimmtes Wort oder auch das Einschalten des Radios sein.
- Während dieser Phasen bist du zwar anwesend, aber nicht in direkter Nähe.
- Gib dem Welpen etwas zum Kauen – das wirkt beruhigend und vermittelt: Alleine sein kann angenehm sein.
Schrittweises Training
- Starte mit winzigen Momenten: ein Glas Wasser aus der Küche oder kurz die Post aus dem Briefkasten holen.
- Steigere die Zeit und gehe nach und nach mal in einen anderen Raum.
- Wenn der Welpe entspannt bleibt, kannst du kurze Wege nach draußen wagen (z. B. Mülltonne).
- Erst wenn er diese kleinen Schritte sicher meistert, kannst du das Haus für ein paar Minuten verlassen.
- Kindergitter sind dabei hilfreich: Der Sichtkontakt bleibt, aber der Welpe kann dir nicht folgen.
Dokumentation & Beobachtung
Es lohnt sich, dass Alleine bleiben mit einer Kamera zu beobachten. So siehst du, ob dein Welpe entspannt bleibt oder es Auslöser für Unruhe gibt. Ich habe oft Welpen begleitet, die beim ersten Mal kurz bellen oder fiepen, aber nach kurzer Zeit lernen, ruhig zu bleiben – hab also etwas Geduld.
Heimkehr
Kehre ruhig zurück – keine große Abschieds- oder Begrüßungsparty. Erledige zuerst deine Routine (z.B. bei der Heimkehr erst die Jacke ausziehen, Schuhe aus, Schlüssel ablegen). Wichtig: Widme dich erst deinem Welpen, wenn er zur Ruhe gekommen ist. So lernt er: Heimkommen ist keine große Sache. Begrüßt du ihn während er noch freudig in Erwartungshaltung ist, belohnst du ihn für das unruhige Verhalten.
4. Stubenreinheit – So klappt’s stressfrei
Stubenreinheit ist eines der ersten Themen, die Welpenbesitzer beschäftigen. Mit etwas Geduld und klaren Routinen lernt dein Welpe schnell, sich draußen zu lösen.
Grundprinzip
Welpen können ihre Blase noch nicht kontrollieren. Daher gilt: regelmäßig nach draußen, etwa alle zwei bis drei Stunden, sowie nach dem Schlafen, Fressen oder Spielen. Am Anfang ist es oft hilfreich, den Welpen nach draußen zu tragen, damit auf dem Weg dahin kein Malheur passiert. Zudem empfehle ich anfangs alle Teppiche wegzuräumen, da die kleinen Racker diese schon mal mit einer Lösewiese verwechseln.
Positives Verstärken
Wenn dein Welpe draußen sein Geschäft erledigt, zeige deutlich Freude – ein freundliches „Pipi fein“, Streicheleinheiten oder ein kleines Leckerli helfen. So lernt der Welpe schnell, dass er draußen alles richtig macht.
Typische Anzeichen erkennen
Viele Welpen signalisieren kurz bevor sie müssen, dass sie raus wollen:
- Herumschnüffeln
- Im Kreis drehen
- Plötzliches Unruhigwerden
Wenn du merkst, dass dein Welpe muss, trag ihn direkt nach draußen – am besten zu einer festen Ecke im Garten, wo er sich künftig lösen darf. So bleibt dein restlicher Garten sauber und dein Hund versteht früh, dass es im Garten einen bestimmten Bereich fürs Geschäft gibt.
Was tun bei kleinen Missgeschicken
Es ist normal, dass nicht immer alles klappt. Schimpfen bringt nichts, der Welpe versteht in dem Moment nicht, was falsch war. Einfach ruhig aufwischen und einen neutralen Reiniger verwenden – keine Essig- oder Ammoniaklösungen, sie verstärken nur den Geruch. Alte Methoden wie die Nase in die Pfütze stecken sind nicht nur unnötig, sie können das Vertrauen zerstören. Bleib ruhig, aufmerksam und konsequent. Mit etwas Geduld lernt dein Welpe schnell, wo er sich lösen darf – und ihr baut gleichzeitig eine starke, vertrauensvolle Bindung auf.
Nachts
Auch nachts sollte der Welpe die Möglichkeit haben, sich zu lösen. Stell dir am besten einen Handywecker, um ihn einmal in der Nacht kurz nach draußen zu bringen – so vermeidest du, dass er unruhig wird oder ein Malheur passiert. Ein Schlafplatz in deiner Nähe (z. B. eine Box oder ein Körbchen neben dem Bett) hilft dir, seine Signale schneller zu bemerken.
5. Zahnwechsel – So unterstützt du deinen Welpen
Die meisten Welpen ziehen im Alter von 8–10 Wochen in ein neues Zuhause – und nur wenige Wochen später beginnt bereits der nächste große Entwicklungsschritt: der Zahnwechsel.
Wann und wie lange?
- Start: ca. mit 16 Wochen
- Ende: ca. mit 7 Monaten
- Größere Rassen sind oft etwas schneller fertig.
- Welpen haben 28 Milchzähne, erwachsene Hunde 42 bleibende Zähne.
Menschen übrigens im Vergleich 20 Milchzähne, 32 bleibende Zähne.

Ablauf
- Zuerst fallen die Schneidezähne aus, dann die Prämolaren (=Vorbackenzähne) und Eckzähne.
- Molaren (die hintere Backenzähne) kommen erst bei den bleibenden Zähnen.
- Meistens werden Milchzähne verschluckt und wir finden sie nicht.
Verhalten und Unterstützung
- Leichtes Kauen an Spielzeug oder Möbeln ist normal.
- Kauartikel aus Naturmaterialien (Kautschuk, Kaffeeholz, gefrorener Kong) als Alternative anbieten.
- Keine zu heftigen Zergelspiele, um Schmerzen zu vermeiden.
- Weiches oder angefeuchtetes Futter kann das Fressen erleichtern.
Worauf achten
- Leichte Rötung des Zahnfleisches ist normal.
- Alle Milchzähne sollten ausfallen, bevor die neuen Zähne komplett wachsen.
- Bleibt ein Milchzahn stehen, während der neue schon wächst → Tierarzt aufsuchen (Vermeidung von Fehlstellungen).
- Starke Schmerzen, Fieber oder Appetitlosigkeit sind nicht normal → Tierarztbesuch nötig.
Zahnpflege
- Frühzeitig an Maul- und Zahnberührungen gewöhnen – z. B. sanft mit Fingern oder Welpen-Zahnbürste.
- Gesunde Milchzähne sind wichtig für die korrekte Ausrichtung der bleibenden Zähne.
- Regelmäßige Pflege erleichtert das Zähneputzen im Erwachsenenalter.
6. Welpenschutz – Ein Mythos?
Viele Hundebesitzer glauben, dass Welpen automatisch von erwachsenen Hunden geschützt werden – weil „alle Hunde instinktiv wissen, dass die Kleinen hilflos sind“. Diese Vorstellung stammt ursprünglich aus Beobachtungen bei Wolfsrudeln: Dort genießen Welpen innerhalb der eigenen Familie in den ersten Lebenswochen eine gewisse „Narrenfreiheit“. Erwachsene Wölfe tolerieren ihr Verhalten und greifen kaum ein.
Realität beim Haushund
Bei unseren Haushunden sieht das anders aus: Ein echter, allgemeingültiger Welpenschutz existiert nicht. Kurzzeitige Toleranz zeigen erwachsene Hunde höchstens innerhalb des eigenen Familienverbandes – also zwischen Mutter, Vater und Geschwistern.
Bei Begegnungen mit fremden Hunden oder im Zusammenleben mit einem Zweithund gilt dieser Schutz nicht. Selbst gut sozialisierte Hunde können vom ungestümen Verhalten eines Welpen genervt sein und ihn zurechtweisen oder abwehren.
Familienverband vs. Gruppenverband
Familienverband: Welpen, die mit ihren Eltern oder Geschwistern aufwachsen, werden zunächst oft geduldet. Erwachsene Hunde setzen jedoch früh klare Grenzen, um die Welpen sozial zu erziehen.
Gruppenverband: Trifft ein Welpe auf fremde Hunde (z.B. in einer Hundeschule) oder auf einen Zweithund im eigenen Haushalt, spricht man von einem Gruppenverband. Toleranz ist keine Selbstverständlichkeit. Ob ein erwachsener Hund freundlich reagiert, hängt von seiner Sozialisation, seinem Temperament und der Körpersprache des Welpen ab. Ein übermütiger oder aufdringlicher Welpe kann leicht Ablehnung auslösen.
Risiken für Welpen
- Körperliche Verletzungen: Grobes Spiel oder Abwehrverhalten können Welpen schaden.
- Psychische Folgen: Negative Begegnungen können Angst, Unsicherheit oder dauerhaftes Misstrauen gegenüber Artgenossen verursachen.
Sicherheitstipps für Hundebesitzer
- Achte bei Hundebegegnungen darauf, dass dein Welpe nur Kontakt zu gut sozialisierten, freundlichen Hunden hat – wähle dabei bewusst unterschiedliche Hunderassen jeden Alters aus.
- Sprich immer vorher mit dem Besitzer des anderen Hundes über dessen Verhalten gegenüber Welpen.
- Beobachte jede Begegnung aufmerksam – der Satz „Die Regeln das schon unter sich“ ist gefährlich und falsch.
- Wenn der andere Hund überfordert wirkt oder zu grob wird: Sofort einschreiten und den Welpen rausnehmen!
- Lasse erst Sozialkontakte zu, wenn dein Welpe entspannt ist und nicht damit rechnet zum anderen Hund hin zu dürfen.
Trainer-Erfahrung & aktuelle Forschung
Welpen lernen den sozialen Umgang am besten in kontrollierten, sicheren Situationen z.B. in der Welpengruppe einer guten Hundeschule. So schützt du deinen jungen Hund vor körperlicher und seelischer Überforderung und förderst gleichzeitig eine gesunde Sozialentwicklung.
Neuere verhaltensbiologische Studien (z. B. Miklósi 2021, Udell 2023) bestätigen:
- Es gibt keinen angeborenen Welpenschutz bei Haushunden.
- Toleranzverhalten entsteht individuell – abhängig von Sozialerfahrung, Hormonen und Erziehungsstil.
- Eine bewusste Auswahl geeigneter Hundekontakte ist entscheidend für eine stabile Entwicklung.
Mehr Hundekontakte sind nicht automatisch besser – Qualität zählt mehr als Quantität. Wähle also gezielt ruhige, sozial sichere Hunde als Spiel- und Sozialpartner aus.
