Verhaltensprüfung NRW

Ziel der Verhaltensprüfung ist das Erkennen übersteigerter aggressiver Reaktionen des Hundes, die sich in gefährlicher Weise auf Mensch und Tier auswirken können. Fragen und Antworten zum Thema Verhaltensprüfung NRW finden Sie gebündelt auf dieser Seite.

Wenn Sie für Ihren Hund beim Ordnungsamt eine Befreiung von der Leinen- und/ oder Maulkorbpflicht nach dem Landeshundegesetz NRW beantragen möchten. Für eine Befreiung von der Maulkorb- und Anleinpflicht muss Ihr Hund bestimmte Kriterien erfüllen, die in einer Verhaltensprüfung getestet werden. Für die Befreiung müssen Sie als Halterin oder Halter des Hundes nachweisen, dass eine vom Hund ausgehende Gefahr für die öffentliche Sicherheit nicht zu befürchten ist, dieses ist Voraussetzung. Generell kann man sagen, dass alle Listenhunde (§§ 3 und 10 LHundG NRW) eine Maulkorb- und Leinenpflicht haben. Weiterhin können auffällig gewordene Hunde eine Maulkorb- und/oder Leinenpflicht vom Amt auferlegt bekommen.

Eine Teilnahme an einer Verhaltensprüfung ist kein Muss! Sollten Sie jedoch für Ihren Hund eine  Befreiung anstreben, kommen Sie um eine Verhaltensprüfung (in anderen Ländern auch „Wesenstest“ genannt) nicht drum herum.

a) Bei gefährlichen Hunden (siehe § 3 LHundG NRW) muss der amtliche Tierarzt des Veterinäramtes die Verhaltensprüfung durchführen. Im Kreis Soest ist dies Frau Dr. Bonitz.
b) Bei Hunden bestimmter Rassen (siehe § 10 LHundG NRW) haben Sie zwei Möglichkeiten: Entweder Ihr amtlicher Tierarzt des Veterinäramtes (Frau Dr. Bonitz für den Kreis Soest) führt die Prüfung durch oder ein anerkannter Sachverständiger bzw. eine anerkannte sachverständige Stelle. Die mobile Hundeerziehung/ Caroline Hegebüscher ist gemäß § 4 Abs. 7 Durchführungsverordnung zum LHundG NRW anerkannte Sachverständige und sachverständigen Stelle und darf die Verhaltensprüfung für Hunde bestimmter Rassen gemäß § 10 LHundG NRW durchführen.
c) Bei verhaltensauffällig gewordenen Hunden (Beissvorfall) muss der amtliche Tierarzt des Veterinäramtes die Verhaltensprüfung durchführen. Im Kreis Soest ist dies Frau Dr. Bonitz.

Nach § 3 DVO LHundG NRW soll die Verhaltensprüfung auf einem für den zu prüfenden Hund neutralem Gelände (eingezäunt) durchgeführt werden. Die Prüfung soll nur mit solchen Hunden durchgeführt werden, deren Halterin/ Halter oder Aufsichtsperson in Besitz einer Sachkundebescheinigung sind. Das Veterinäramt, Frau Dr. Bonitz veranstaltet die Prüfung 2 x im Jahr (meistens Mai und Oktober) in Erwitte, Berger Straße auf dem dortigen Dobermannvereinsgelände.

Der/die Halter/in muss persönlich mit dem Hund zur Prüfung erscheinen. Die Beauftragung einer dritten Person, mit dem Hund die Prüfung zu absolvieren, ist nicht möglich. Die Prüfung ist Hund- und personenbezogen. Beispiel: Herr Müller hat seinen Hund erfolgreich durch die Prüfung geführt und eine Maulkorb- und/ oder Leinenbefreiung wurde ausgesprochen. Dann gilt dies nicht für seine Frau. Frau Müller muss demnach den Hund mit Maulkorb/ Leine führen oder auch eine Verhaltensprüfung positiv ablegen. Die Maulkorb- und/oder Leinenbefreiung ist also personenscharf zu betrachten!

1. Überprüfung des Gehorsams des Hundes
2. Verhalten bei Kontakt mit Personen in Bewegung. (Jogger, Skater, Radler), die auch in engen räumlichen Kontakt zum Hund treten
3. Verhalten bei Konfrontation mit unerwarteten Begebenheiten (Aufspannen eines Schirmes, Kontakt mit nicht normal reagierenden Personen).
4. Verhalten des Hundes bei Konfrontation mit unerwarteten Geräuschen (Fahrradklingel, Geschrei, Trillerpfeife)
5. Verhalten im Straßenverkehr oder in einer vergleichbaren Gegebenheit
6. Verhalten beim Kontakt mit anderen, auch gleichgeschlechtlichen Hunden
7. Verhalten des angebundenen Hundes ohne die Halterin oder den Halter in normalen Kontaktsituationen mit fremden Personen und Hunden.

Bei der Verhaltensprüfung wird der Gehorsam des Hundes sowie dessen Verhalten gegenüber Personen und Artgenossen in alltagstypischen Situationen überprüft. Für die Befreiung von der Maulkorbpflicht muss der Hund gut an der Leine zu führen sein. Er darf weder Personen noch andere Hunde angreifen. Er darf auf Provokationen reagieren muss aber von seiner Halterin oder seinem Halter jederzeit unter Kontrolle gehalten und wieder beruhigt werden können. Für die Befreiung von der Leinenpflicht muss der Hund im Beisein anderer Hunde ohne Leine den Kommandos seines Halters gehorchen. Der Hund darf während des Prüfungsvorgangs keinen über das normale Maß hinausgehenden Reizen ausgesetzt werden, die nachvollziehbare & natürliche Abwehrreaktionen provozieren. Die Reize müssen dem Hund in angemessener Dosierung vermittelt werden, so dass überprüft werden kann, ob der Hund, gemessen an der Reizstärke, ein der Situation nicht angemessenes Aggressionsverhalten aufweist. Der Prüfer bewertet in der Verhaltensäußerung die verschiedenen Prüfungselemente. Bei einer negativen Bewertung zu einem Prüfelement ist davon auszugehen, dass eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit zu befürchten ist. Die Prüfung ist abzubrechen und gilt als nicht bestanden. Bei einer negativen Bewertung des Prüfelements: „Überprüfung des Gehorsams des Hundes“ ist im Einzelfall zu prüfen, ob eine Befreiung von der Maulkorbpflicht möglich ist, ohne dass eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit zu befürchten ist.

Gemäß § 3 Abs. 5 DVO LHundG NRW muss der teilnehmende Hund mindestens 15 Monate alt sein. Bei Hunden, die vor Erreichen des zweiten Lebensjahres (24. Lebensmonat) geprüft werden, muss nach Ablauf von zwei Jahren eine Wiederholung der Verhaltensprüfung stattfinden. Für Hunde, die das Mindestalter (15 Monate) noch nicht erreicht haben, kann eine befristete Ausnahme von der Anlein- und Maulkorbpflicht gemäß § 3 Abs. 6 DVO LHundG NRW erteilt werden. Im § 3 Abs. 6 steht geschrieben: „Für Hunde, die das Mindestalter noch nicht erreicht haben, soll eine befristete Ausnahme von der Anlein- und Maulkorbpflicht erteilt werden, wenn die regelmäßige, mindestens alle zwei Wochen erfolgende Teilnahme an einer Junghundeausbildung (z.B. Vorbereitung zur Begleithundeausbildung) der zuständigen Behörde gegenüber durch eine Bescheinigung der für den Vollzug des Tierschutzgesetzes (= Veterinäramt) zuständigen Behörde nachgewiesen wird.“ Das heißt: Die Hundeschule bescheinigt dem Veterinäramt die regelmäßige, mindestens alle 14 Tage stattfindende Teilnahme an der Junghundeausbildung des Halters X mit dem Hund Y, ferner, dass der Hund sich angemessen Menschen und Artgenossen gegenüber verhält und verpflichtet sich, ein unentschuldigtes Fernbleiben vom Unterricht dem Veterinäramt/Ordnungsamt zu melden. Diese Bescheinigung lässt der Hundehalter dem Veterinäramt zukommen. Das Schreiben wird dort um die Empfehlung ergänzt, den Hund bis zum erfolgreichen Bestehen einer Verhaltensprüfung von der Maulkorb- und Anleinpflicht zu befreien. Das Veterinäramt lässt die o.g. Bescheinigung dem Ordnungsamt zukommen, von hiesiger Behörde ergeht dann an den Halter ein Befreiungsbescheid.

Zusammengefasst: Ab Beginn des 16. Lebensmonats kann der Hund in die Verhaltensprüfung gehen. Ist der Hund in der Verhaltensprüfung noch keine 24 Monate alt muss er nach zwei Jahren erneut eine Verhaltensprüfung ablegen. ODER: Der Hundehalter wartet bis sein Hund das 2. Lebensjahr vollendet hat und legt dann die Verhaltensprüfung ab. Diese abgelegte Prüfung ist dann i.d.R. ein Hundeleben lang gültig. Zwischen dem 6. bis 24. Lebensmonat hat der Hund eine Maulkorb- und Leinenpflicht. Eine Ausnahmeerteilung ist möglich: Wenn der Hundehalter regelmäßig (mindestens alle 2 Wochen) in die Hundeschule geht und die Bestätigung darüber dem Veterinäramt zukommen lässt.

Ab dem 7. Lebensmonat haben die o.g. Listenhunde nach §§ 3 und 10 LHundG NRW eine Maulkorbpflicht. Die Leinenpflicht besteht von Geburt an. Ab Vollendung des 6. Lebensmonats (=Beginn 7. Lebensmonat) bis zur Vollendung des 15. Lebensmonats können die Hundehalter beim Ordnungsamt eine Ausnahmegenehmigung zur Maulkorb – und/oder Leinenbefreiung beantragen, wenn Sie die regelmäßige Teilnahme in einer Hundeschule (mindestens alle 2 Wochen) nachweisen können. Die Hundeschule/der Trainer sind dazu verpflichtet, ein längeres Fernbleiben, dem zuständigen Ordnungsamt mitzueilen. Siehe hierzu auch die Erläuterungen bei Frage Nr. 7

Hinweis: Listenhunde (§§ 3 und 10 LHundG NRW), die nicht alle 2 Wochen in eine Hundeschule gehen und die Besuche nicht dem zuständigen Veterinäramt vorlegen, haben definitiv ab dem 7. Lebensmonat eine Maulkorbpflicht! Erst ab Vollendung des 15. Lebensmonats (= Beginn 16. Lebensmonat) können diese Hunde in die Verhaltensprüfung gehen um eine Maulkorb- und/oder Leinenbefreiung anstreben. Wird diese bestanden muss sie innerhalb von 2 Jahren wiederholt werden. Oder der Hundehalter wartet, bis sein Hund den 24. Lebensmonat vollendet hat (Beginn 25. Lebensmonat) und macht dann eine Verhaltensprüfung. Diese muss i.d.R. nicht wiederholt werden und ist ein Hundeleben lang gültig (wenn die Gemeinde/Stadt keine andere Auflage erteilt).

Gemäß den Verwaltungsvorschriften 5.3.4 zum Landeshundegesetz liegt es im Ermessen des zuständigen Ordnungsamtes den Maulkorb- und/oder Leinenbefreiungsbescheid zeitlich zu begrenzen oder mit weiteren Auflagen und Bedingungen zu verbinden. In der Regel ist es bei den meisten Ordnungsbehörden im Kreis Soest aber so, dass die Maulkorb- und/oder Leinenbefreiung zeitlich unbegrenzt mit einem Verwaltungsbescheid ausgesprochen/erteilt wird. Sie müssen mit Ihrem Hund i.d.R. nur 1 x die Verhaltensprüfung erfolgreich bestehen. Kommt es zu keinen weiteren Vorkommnissen (z.B. Beißvorfall, der bei der Ordnungsbehörde gemeldet wird) und die Gemeinde/Stadt begrenzt die Maulkorb- und/oder Leinenbefreiung nicht, so ist die Verhaltensprüfung ein Hundeleben lang gültig. Eine regelmäßige Wiederholung einer Verhaltensprüfung ist nicht zwingend vorgesehen. Eine zeitliche Begrenzung (oft 2 Jahre) einer Maulkorb- und/oder Leinenbefreiung kann vom Ordnungsamt ausgesprochen werden. Meistens machen das die Ordnungsbehörden aber nur, wenn sie die erfolgreich absolvierte Verhaltensprüfung zum Anlass einer Hundesteuersenkung nehmen (z.B. Gemeinde Welver; siehe dazu Frage 10).

Bei den meisten Gemeinden und Städten zahlen Sie für Ihren Listenhund (der folgenden Rassen) eine erhöhte „Kampfhundesteuer“, die teilweise unangemessen hoch ist:
– § 3 LHundG NRW = gefährliche Hunde: Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier und Bullterrier, deren Kreuzungen untereinander sowie mit anderen Hunden
– § 10 LHundG NRW = Hunde bestimmter Rassen: Alano, American Bulldog, Bullmastiff, Mastiff, Mastino Espanol, Mastino Napoletano, Fila Brasileiro, Dogo Argentino, Rottweiler,Tosa Inu, Old English Bulldog, deren Kreuzungen untereinander sowie mit anderen Hunden.

Das Bundesverwaltungsgericht erachtete die erhöhte Steuer für sogenannte „Kampfhunde/Listenhunde“ im Jahr 2000 für grundsätzlich zulässig. Allerdings hält der 4. Senat des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs mit seinem (noch nicht rechtskräftigen) Urteil vom 25. Juli 2013 eine Hundesteuer für Kampfhunde in Höhe von 2.000 Euro für unzulässig. Bislang ist jede Gemeinde und Stadt frei darin, die Höhe der Hundesteuer festzulegen. Ob eine erfolgreich absolvierte Verhaltensprüfung zur Steuerermäßigung führt ist nirgendswo klar geregelt. Bislang kann dies jede Kommune (Stadt/Gemeinde) selber entscheiden. Im Kreis Soest sieht die Gemeinde Lippetal z.B. keine Steuerermäßigung für Hunde mit bestandener Verhaltensprüfung vor. Die Gemeinde Welver jedoch nimmt eine bestandene Verhaltensprüfung zum Anlass die Steuern zu senken, macht im Gegenzug aber die Auflage, dass die Verhaltensprüfung dafür alle 2 Jahre wiederholt werden muss.

Die mobile Hundeerziehung/ Caroline Hegebüscher führt eine behördlich anerkannte Verhaltensprüfung durch (auch Wesenstest genannt), um für § 10 Hunde eine Maulkorb- und/oder Leinenbefreiung zu erteilen. § 10 Hunde (nach dem LHundG NRW) sind Hunde „sogenannter Rassen“. Dazu gehört: der Alano, American Bulldog, Bullmastiff, Mastiff, Mastino Espanol, Mastino Napoletano, Fila Brasileiro, Dogo Argentino, Rottweiler und Tosa Inu sowie deren Kreuzungen untereinander und mit anderen Hunden. Für Hunde die behördlich auffällig geworden sind oder zu der Liste der § 3 LHundG NRW Hunden gehören, ist das Kreisveterinäramt zuständig. Nur die dort zuständige Kreisveterinärtierärztin/Tierarzt (Fr. Dr. Bonitz im Kreis Soest) darf für diese Hunde eine Verhaltensprüfung durchführen.

Die Kosten einer Verhaltensprüfung sind gesetzlich nicht festgeschrieben und können stark variieren. Sie fangen i.d.R. bei mindestens 50,00 € an und können, je nach Aufwand und Umfang, auf bis zu 350,00 € hoch gehen. Bei mir zahlen Sie für eine Verhaltensprüfung inkl. Videoaufzeichnung (mindestens 2 Teilnehmer/Anmeldungen) 250,00 € pro teilnehmenden Hund. Zur Vorbereitung auf die Prüfung beim Veterinäramt dürfen Sie sich gerne bei mir melden. Ich bereite Sie im Einzeltraining darauf vor.

Wichtig: Wenn Sie sich bei mir auf die Prüfung vorbereitet haben, darf ich Sie nicht prüfen. Sie müssen sich also entscheiden, ob ich die Prüfung abnehmen soll oder (!) ob ich Sie darauf vorbereiten darf (es geht nur eins: Vorbereitung oder Prüfungsabnahme).

Alle Angaben sind ohne Gewähr!
Copyright: Caroline Hegebüscher, www.mobile-hundeerziehung.de

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